5. Liebenberger Pferdeform: Auf die inneren Werte kommt es an

5. Liebenberger Pferdeform: Auf die inneren Werte kommt es an

Liebenberg (fn-press). Auf die inneren Werte kommt es an – sowohl bei Menschen wie auch Pferden. Zu diesem Schluss kam das 5. Liebenberger Pferdeforum, in dem die Frage „Interieur und Herzblut als Erfolgsgaranten?“ auf den Prüfstand gestellt wurde. Beispiele aus Zucht, Sport und Wirtschaft zeigten, dass ohne entsprechenden Willen, Leistungsbereitschaft und Ausdauer kein Weg nach oben führt.

Bereits zum fünften Mal luden die Deutsche Kreditbank AG (DKB), die Persönlichen Mitgliedern der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und der Oldenburger Pferdezuchtverband Züchter, Reiter und namhafter Vertreter der Pferdebranche zu Vortrag und Diskussion auf Schloss & Gut Liebenberg vor den Toren Berlins ein. Im Mittelpunkt standen in diesem Jahr die Lebens- und Erfolgsgeschichte bekannter Pferdesportler, Unternehmer und Züchter.

Zwischen Genie und Wahnsinn liegt ein schmaler Grat, berichtete Weltklasse-Dressurpferde-Züchterin Emmy de Jeu aus den Niederladen beim 5. Liebenberger Pferdeforum. Deshalb muss sich ihrer Meinung nach jeder Züchter gut überlegen, wo er mit viel Herzblut investieren möchte. Ob elektrischer Bewegungskünstler oder sitzbequeme Schönheitskönigin – individuelle Ziele müssen nach den individuellen Kundenwünschen ausgerichtet werden. Ein Patentrezept gibt es nicht, so die Expertin aus Holland.

„Die Entwicklung der Hengste und ihre Möglichkeiten für den großen Sport – das ist das, was wir bei den neuen Sportprüfungen herausfinden wollen. Mit ihnen lässt sich gut feststellen, welches Interieur ein Hengst besitzt und ob er den Willen und die Leitungsbereitschaft mitbringt, die im Sport gefordert werden“, erklärte Sebastian Heinze, U25-Bundestrainer und langjähriger Fremdreiter bei DKB-Bundeschampionaten und Sportprüfungen. „Welchen Wert haben Rittigkeit und Interieur?“ – so lautete die Leitfrage seiner Präsentation. Seit 2016 gibt es dieses kurze, sportorientierte Hengstleistungsprüfungssystem. Seiner Meinung nach, sollte noch das zusätzliche Merkmal „Perspektive“ in die Benotung mit einfließen. Anhand dessen könne die Zukunft eines Hengstes für Zucht und Sport besser dargestellt werden. „Die Sportprüfungen sind für Züchter, die sich abseits der Turnierplätze über die Qualitäten der Hengste informieren wollen, eine geeignete Plattform und sollten in Zukunft noch mehr genutzt werden.“

Benjamin Werndl, erfolgreicher Grand Prix-Reiter und Unternehmer, präsentierte in seinem Vortrag „Unternehmen mit Herzblut: Werndl – eine Marke im Dressursport“ sein Ausbildungszentrum Aubenhausen. „Wir sind so erfolgreich, weil wir so gut mit unseren Pferden umgehen. Bei allem Erfolgsstreben geht es nicht nur darum, Erfolg zu haben, sondern das Pferd immer wieder in den Mittelpunkt zu stellen.“, so lautet das Motto, nachdem Benjamin Werndl gemeinsam mit seiner Schwester, der erfolgreichen Grand Prix-Reiterin Jessica von Bredow-Werndl seit zehn Jahren ihren Dressurausbildungsstall aufgebaut haben. Im Fokus stehen dabei die pferdegerechte Haltung und Ausbildung. „Alle Pferde kommen bei uns auf die Weide, egal welchen Alters und in welcher Klasse sie im Turniersport laufen. Dann sind sie auch klar im Kopf“, so der 33-Jährige. Dass das Interieur bei den Werndl-Geschwistern ebenfalls eine wichtige Rolle spielt, liegt dabei nahe. „Natürlich ist die Grundqualität eines Pferdes wichtig, aber auch der Charakter und die Einstellung sind für den Erfolg ausschlaggebend.“

Darüber hinaus referierte die Amateurin Dr. Ina Sillenberg über „Spezielle Anforderungen an ein Amateur-/Parapferd?“. Bewegend war der Vortrag des erfolgreichen Para-Dressurreiters Steffen Zeibig. Der Arnsdorfer, der ohne rechten Unterarm, rechten Unterschenkel und ohne linken Fuß geboren wurde, schilderte seinen reiterlichen Werdegang vom ersten Pony bis zur Bronzemedaille bei den Paralympics und EM-Silber im vergangen Jahr. Ohne perfekte Ausrüstung, ohne Ausbilder erarbeitete er sich sein Können im Sattel selbst. Oft genug fiel er dabei vom Pferd, auch von seinem derzeitigen Erfolgspferd, der Hannoveraner Stute Feel Good, die ihm durch einen glücklichen Zufall vom Reit- und Fahrverein Gut Auric in Krefeld zur Verfügung gestellt wurde. „Die Pferde, die wir heute im Para-Dressursport brauchen, müssen nicht nur ‚brav‘ sein. Die Anforderungen an die Qualität ist in den letzten Jahren enorm gestiegen“, ergänzte Britta Bando, die seit Jahren die deutsche Para-Equipe zu den Championaten begleitet und immer auf der Suche nach geeigneten Pferden für ihre Reiter ist.

Abgerundet wurde das 5. Liebenberger Pferdeforum durch die Lebensgeschichten zweier bekannter Unternehmer mit Wurzeln im Pferdesport. Klaus Brinkmann, geschäftsführender Gesellschafter der Bugatti-Brinkmann-Gruppe und erfolgreicher Springreiter, referierte zum Thema „In Generationen denken – der Erfolg der Familie Brinkmann, Unternehmer und Reitsportler“. Der ehemalige Studentenreiter Martin Richenhagen, der ursprünglich Theologie, Französisch und Philosophie studierte und heute Vorstandsvorsitzender des amerikanischen Landmaschinenkonzerns AGCO ist, erläuterte in seinem Vortrag „Marktanforderungen in Zeiten der Globalisierung: Spezialisierung oder Angebot für die Masse“ unter anderem, warum die Marke Fendt seit 2010 Hauptsponsor der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ist. Bei der Entscheidung spielte nicht nur die eigene Passion Richenhagens eine wichtige Rolle. „Pferdesport und Pferdezucht passen zu unserer Branche.“

Das Liebenberger Pferdeforum wird auch 2019 fortgesetzt. Die sechste Auflage auf Schloss & Gut Liebenberg findet am 12. April 2019 statt. Hb/Oldenburger Zuchtverband

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