FN-Beirat Sport: Kinderreitunterricht und Distanzreiten im Fokus

FN-Beirat Sport: Kinderreitunterricht und Distanzreiten im Fokus

Magdeburg (fn-press). Im Rahmen der Verbandstagungen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Magdeburg tagten auch der FN-Beirat Sport und der Beirat des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR). Einmal mehr wurde deutlich, welch wichtige Rolle die Förderung von Kinderreitunterricht in der Verbandsarbeit einnimmt. Die Beiräte setzen sich zusammen aus Vertretern der Mitglieds- und Anschlussverbände der FN sowie aus Vertretern der Disziplinkader, des Förderkreises Olympische Reiterspiele (FORS) und persönlichen Mitgliedern des DOKR.

Thomas Ungruhe, Leiter der FN-Abteilung Breitensport, Betriebe und Vereine stellte aktuelle Zahlen vor: 2017 liefen bei der FN 188 Bewerbungen für den Gründerwettbewerb Ponyreitschulen ein. Gesucht werden bei diesem Wettbewerb Vereine und Betriebe, die gerade eine Ponyreitschule neu gründen oder ihre bestehende Reitschule erweitern oder umstrukturieren wollen und sich damit der wichtigen Zielgruppe von Kindern im Alter von vier bis zwölf Jahren widmen. Denn: Deutschland braucht mehr Ponyreitschulen. Schon jetzt suchen Eltern kleiner Kinder oft händeringend nach passenden Angeboten.

Auch in diesem Jahr werden wieder zehn ausgewählte Vereine und Betriebe durch die FN gefördert. Der Wettbewerb wurde 2016 erstmals ausgeschrieben. Inzwischen haben die geförderten Betriebe und Vereine zahlreiche Kooperationen mit Kindergärten und Schulen ins Leben gerufen und sich auf lokalpolitischer Ebene vernetzt. 400 neue Reitschüler im Alter von drei bis zwölf Jahren sind hinzugekommen, ebenso 30 neue Schulponys. Der nächste Bewerbungszeitraum für 2019 beginnt am 14. Mai 2018. „Unser Ziel ist es, bundesweit ganz viele, bunte Pony-Reitschulen zu etablieren, bei denen man sich in der Praxis ansehen kann, was im Bereich Kinderreitunterricht alles möglich ist“, sagte Thomas Ungruhe.

Auch die Initiative „Kleine Kinder, kleine Ponys“ beschäftigt sich mit ebendiesem Thema. Sie wurde im Jahr 2013 auf Betreiben der FN-Abteilung Jugend gegründet. Das Ziel der Initiative ist sowohl die Sensibilisierung von Vereinen, Betrieben und Ausbildern für das Thema Bildung und Erziehung mit dem Pferd im Kindesalter als auch die Notwendigkeit, wieder mehr kleine Ponys in die Ausbildungsarbeit vor Ort einzubeziehen. Eine entsprechende Arbeitsgruppe bestehend aus vielen Praktikern und Vertretern der Abteilung Jugend und der Abteilung Ausbildung und Wissenschaft entwickelt entsprechende Maßnahmen. Die Initiative wird von den Persönlichen Mitgliedern der FN (PM) gefördert.

Auf den Weg gebracht wurden zum Beispiel Informationen für Eltern, Schulen und Erzieher sowie ein Lernkoffer für Vorschulkinder. Weiterhin fließen die Ideen der Arbeitsgruppe in die Überarbeitung der Ausbildungs-Prüfungs-Ordnung (APO) 2020 ein, mit dem Ziel, das Thema „Ausbildung von Kindern“ in der Lehrkräfteausbildung noch besser zu berücksichtigen. Künftig sollen auch Richter vermehrt geschult werden, außerdem befindet sich ein Portal für Vermittlung und Verkauf von Schulponys in der Gründung.

Bestätigung der Jugendordnung
Der Beirat Sport bestätigte in Magdeburg eine Anpassung der Jugendordnung. Der Jugendausschuss hatte in seiner jüngsten Sitzung unter Punkt 4 einen neuen Passus aufgenommen, in dem sich die Deutsche Reiterjugend explizit gegen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung ausspricht. Wörtlich heißt es: „Die Deutsche Pferdesportjugend fördert die vorurteilsfreie Begegnung von jungen Menschen im Sport, unabhängig von ihrer Herkunft, Nationalität oder Behinderung. Die Deutsche Pferdesportjugend wendet sich explizit gegen jegliche Form von Rassismus und Diskriminierung“. Ferner wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass jegliche Form körperlicher, seelischer oder sexualisierter Gewalt gegenüber Kindern, Jugendlichen oder Schutzbefohlenen abgelehnt wird.

Maria Schierhölter-Otte, Leiterin der Abteilung Jugend, sagte: „Sexualisierte Gewalt ist ein wichtiges Thema, mit dem wir offen umgehen müssen. Die FN hat sich des Themas schon 2011 angenommen und Maßnahmen ergriffen. Im Deutschen Olympischen Sportbund nimmt die FN eine Vorreiterrolle an, denn es wurde schon viel getan. Aber der DOSB hinterfragt immer wieder, zum Beispiel im Zuge der Leistungssportreform, wie die Verbände in diesem Bereich aufgestellt sind. Deshalb muss der Umgang mit diesem Thema auch in den Landesverbänden und Vereinen vermehrt auf der Tagesordnung stehen.“

Anpassung der Regelwerke
Zu Beginn des Jahres ist die neue Leistungs-Prüfungs-Ordnung 2018 in Kraft getreten. Kleinere Anpassungen waren bereits im Vorfeld der FN-Tagungen beschlossen worden. Darunter der Passus, dass sechsjährige Ponys in Springpferdeprüfungen der Klasse A ohne Einschränkungen zugelassen sind. „Mit dem Ziel, Pony-Seriensieger in der Dressur zu verhindern, wurde die Ausnahmeregelung für Ponys in Dressurpferdeprüfungen gestrichen und im Sinne der Einheitlichkeit des Regelwerkes auch im Springen. Diese Ausnahme ist für viele Springponys aber eine Notwendigkeit, um am Anfang einer Saison angemessene Startmöglichkeiten zu finden und sich für das Bundeschampionat zu qualifizieren, daher wurde diese Neuerung wieder rückgängig gemacht“, so Friedrich Otto-Erley, Leiter der Abteilung Turniersport.

Im Beirat Sport selbst wurden lediglich Änderungen bezüglich der ADMR verabschiedet. Die 2017 gegründete List Group der-FN, die für Überprüfung und Weiterentwicklung der Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln (ADMR) zuständig ist, hat ihre Arbeit aufgenommen. Die List-Group empfahl dem Beirat Sport, mehrere Substanzen neu in die ADMR-Listen einzuordnen. Die Änderungen sollen zum 1. Januar 2019 in Kraft treten und werden zum Ende der „grünen Saison“ 2018 auf der FN-Homepage veröffentlicht.

Auch im Bereich der APO gab es eine Änderung: Beim Kutschenführerschein A für Privatpersonen hat der Beirat Sport ein Mindestalter beschlossen. Der Kutschenführerschein A kann demnach erwerben, wer das 14. Lebensjahr abgeschlossen hat. Zudem dürfen Fahrer unter 16 Jahren laut APO ein Gespann im Straßenverkehr nur in Begleitung eines Erwachsenen führen, der den Kutschenführerschein A besitzt. Eine Einschränkung für den Turniersport bedeutet dieser Beschluss jedoch nicht. Auch Kinder bis 14 Jahre können weiterhin das Fahrabzeichen 5 erwerben und an Fahrturnieren teilnehmen.

Aktueller Stand zum Distanzreiten
Im Beirat DOKR nahm Geschäftsführer Dr. Dennis Peiler Stellung zum Thema Distanzreiten. Anfang 2017 hatte der DOKR-Vorstand beschlossen, keine Startgenehmigungen mehr für deutsche Reiter bei internationalen Distanzritten in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) mehr zu erteilen. Damit reagierte das DOKR auf Nachrichten über tote Pferde und mehrere Fälle von Manipulationen bei Distanzritten in den VAE. „Es haben sich im Laufe der Saison vorübergehend Besserungen im Bereich Tierwohl abgezeichnet, die FEI hatte auch entsprechende Maßnahmen ergriffen“, sagte Peiler. Das DOKR hob das Startverbot unter Auflagen wieder auf. Unter anderem beschloss es eine Berichtspflicht für die Reiter, die wieder an Distanzritten vor Ort teilnahmen. Die Kritikpunkte aus den Berichten wurden an den Weltreiterverband FEI weitergeleitet.

„Die Berichte sind leider nicht so positiv, wie wir erhofft haben. Die Saison ist dort nun vorbei, aber wir betrachten weiter mit großer Skepsis, was vor Ort passiert. Die FEI ist zwar sehr willig, Dinge zu verbessern und dem Treiben vor Ort Einhalt zu gebieten. Allerdings haben wir den Eindruck, dass sich zu wenige Nationen klar positionieren. Wir müssen jetzt abwarten, welche weiteren Maßnahmen auf den Weg gebracht werden und werden dann bewerten, ob diese auch für uns akzeptabel sind. Wenn nicht, dann wird sich der DOKR-Vorstand erneut kritisch damit auseinandersetzen und die Schranke für deutsche Reiter in den Emiraten eventuell wieder schließen“, kündigte Peiler an. jbc

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.