FN-Tagungen: Beirat Zucht tagte in Magdeburg

FN-Tagungen: Beirat Zucht tagte in Magdeburg

Magdeburg (fn-press). Vom Auktionsgebaren bis zum Datenschutz, von der Gesundheitsdatenbank bis zur Zuchtverbandsordnung: Die deutsche Pferdezucht muss sich aktuell mit einer Vielzahl von Themen auseinandersetzen. Das Treffen des Beirats Zucht im Rahmen der Jahrestagungen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Magdeburg bot die Gelegenheit zu einem umfassenden Sachstandsbericht und ließ noch Zeit zum Blick über den Tellerrand.

„Wir müssen unsere Zukunft angehen und Weichen stellen für die Pferdezucht 2025. Wie stehen die Verbände da, welche Rahmenbedingungen gibt es, für wen wollen wir Dienstleister sein? Wir haben eine lange Tradition und tolle Pferde und damit gute Chancen, auch gegenüber ausländischen Verbänden zu bestehen. Aber wir müssen auf die Interessen unserer Kunden eingehen“, sagte Theodor Leuchten in seiner Eingangsrede. Eindringlich forderte der Vorsitzende die Vertreter der Zuchtverbände zur Solidarität und konsequenten Einhaltung der selbst gesetzten Regeln auf.

Seinen Jahresrückblick begann Leuchten mit der erfreulichen Zuchtstatistik, die insgesamt eine Zunahme an Bedeckungen (1,7 Prozent) und Fohlen (3,8 Prozent) aufweist, allerdings auch einen Rückgang bei den Deutschen Reitponys. Sein Appell an die Turnierveranstalter lautete, mehr Ponyprüfungen auf Turnieren anzubieten. Angesichts des Rückgangs an Mitgliedern in den Zuchtverbänden forderte er zudem die Verantwortlichen auf, sich verstärkt um die Jungzüchter zu bemühen. „Viele ältere Züchter denken heute ans Aufhören. Sie haben keine Nachkommen, aber Stallungen. Vielen Jungzüchter fehlen dagegen die Mittel. Hier gilt es Alt und Jung zusammenbringen“, sagte er.

Positives konnte Leuchten auch über die Hengstleistungsprüfungen berichten. Im vergangenen Jahr wurden 415 Hengste geprüft, zu den Sportprüfungen traten 206 Hengste an. Änderungswünsche lehnte Leuchten zum jetzigen Zeitpunkt ab. „Wir haben zugesagt, dass wir das Thema zunächst wissenschaftlich aufarbeiten und werden nach Sachlage entscheiden und nicht nach Gefühl entscheiden.“

Leuchten schlug aber auch kritische Töne an. So erinnerte er daran, dass die Auktionsplätze im letzten Jahr vermehrt in die Kritik geraten seien. „Es geht vor allem um mangelnde Ehrlichkeit und Transparenz. Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Ausstellern und Käufern, der sollten wir gerecht werden“, stellte er klar. Das gelte auch im Zusammenhang mit dem Thema Doping und Medikation. Hier sorgten jüngst ein Fall auf einem Körplatz und einer bei einer Hengstleistungsprüfung für Diskussionen. „Wir müssen unseren Stall sauber halten und im Sinne der Anti-Doping und Medikationskontroll-Regeln unseres Dachverbandes durchgreifen“, sagte Leuchten.

Kleine Änderungen in der ZVO beschlossen 
Der Beirat stimmte daher einer Ergänzung in den HLP-Richtlinien der Zuchtverbandsordnung (ZVO) zu, nach der

  • sämtliche negativen Medikationskontrollen bei Hengstleistungsprüfungen künftig im offiziellen Mitteilungsorgan der FN veröffentlicht werden. Das gilt auch für den Widerruf der Erteilung des Prüfungszeugnisses, der unter Angabe des Grundes bekannt zu geben ist, sobald er unanfechtbar geworden ist. Darüber hinaus werden die Geschäftsstellen der Reitpferde betreuenden Mitgliedszuchtverbände der FN informiert. 
  • ein Hengst von der Prüfung ausgeschlossen wird , wenn der eigene Reiter zum Zeitpunkt der Veranstaltung durch den zuständigen Landesverband bzw. die nationale FN gesperrt ist.

Letzter Punkt war bereits durch die Anmelderverpflichtung geregelt, wurde aber zur Klarstellung auch in die HLP-Richtlinien aufgenommen. Darüber hinaus wird die ZVO um den Passus ergänzt, dass für Hengste, die bis siebenjährig noch am Prüfungssystem teilnehmen können, keine Ausnahmeregelung zur Eintragung in das Hengstbuch I möglich ist.

Der Beirat berief ferner eine neue Widerspruchskommission für Hengstleistungsprüfungen. Neuer Vorsitzender wird Gerd W. Sickinger (Gerlingen), der ebenso wie Monika Schmid-Vorbach (Lonsee-Urspring) schon der noch bis Ende 2018 tätigen Kommission angehört. Neue Stellvertretende Vorsitzende sind die Rechtsanwälte Dietmar Hogrefe (Salzhausen) und Dr. Christian Böse (Elmshorn). Als neue Mitglieder wurden außerdem Dr. Matthias Görbert (Dresden), Dr. Hans-Peter Karp (Münster) und Martin Spoo, Mönchengladbach berufen. Die neue Kommission nimmt 2019 ihre Arbeit auf und wurde für vier Jahre gewählt.

Ebenfalls beschlossen wurde im Merkblatt für die Erstellung von Röntgenaufnahmen für die Erstkörung von Reitpferdehengsten der ZVO die Anpassung an den neuen Röntgenleitfaden.

Weitere Änderungsbeschlüsse betreffen die Zuchtprogramme für Deutschen Reitponys, Kleines Deutsches Reitpferde und Freibergern. Bei allen dreien ist künftig ein Gentest vorgeschrieben, um die Verbreitung von Gendefekten zu vermeiden:

  • Bei den Deutschen Reitponys und Kleinen Deutschen Reitpferden betrifft es die Untersuchung auf Cerebelläre Abiotrophie (CA) für alle Hengste, die in Hengstbuch I oder Hengstbuch II eingetragen sind oder eingetragen werden. 
  • Bei den Freibergern handelt es sich um die Untersuchung auf Caroli-Leberfibrose (CLF) für alle Hengste, die in Hengstbuch I oder Hengstbuch II eingetragen sind oder eingetragen werden, sowie für alle Fohlen, deren Väter Träger des schadhaften Gens sind.

Eine weitere Klarstellung betrifft die Vergabe der FN-Bundesprämien. Bei dreijährigen Stuten, die zum Zeitpunkt der Prämierung nicht leistungsgeprüft sind, erfolgt die Vergabe der FN-Bundesprämie, wenn diese Stuten bis fünfjährig die Anforderungen an Leistungsprüfungen absolviert haben. Erst dann werden die Urkunde und Plakette übergeben und es erfolgt die Eintragung auf der Zuchtbescheinigung

Zuletzt wurde auf Antrag des Zuchtverbandes für Sportpferde arabischer Abstammung (ZSAA) und des Verbandes der Züchter und Freunde des arabischen Pferdes (VZAP) auf Umbenennung des bisherigen Arabisch-Partbred Typ Deutsches Reitpferd in Deutsches Edelblutpferd zugestimmt.

Datenschutz bekommt neue Dimension
Weitere Sachstandsberichte im Rahmen des Beirats Zucht befassten sich mit der Gesundheitsdatenbank und diesbezüglichen Gespräche mit einem der führenden Entwickler von Software für Tierarztpraxen und Tierkliniken sowie den Bemühungen um den Erhalt des Schenkelbrandes. Carolin Lux, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Berufsreiter, warb für den Ausbildungsberuf des Pferdewirts Schwerpunkt Zucht und Dr. Teresa Dohms-Warnecke stellte eine Initiative zur Beschaffung Schulponys vor, an der auch die Internetplattform ehorses aktiv beteiligt ist.

Besondere Brisanz bekommt das Thema Datenschutz mit Inkrafttreten der neuen Europäischen Datenschutz-Grundordnung. Was dabei auf Verbände zukommt, erläuterte FN-Justitiarin Constanze Winter. Sie empfahl den Zuchtverbänden, nicht nur die Homepages zu überprüfen, sondern alle Datenflüsse zu ermitteln, Datenschutzerklärungen zu überarbeiten, die Newsletter zu überdenken und vor alle einen Datenschutzbeauftragten zu bestellen. Sie kündigte außerdem an, dass die FN aufgrund des Umfangs und der Komplexität des Themas auf externe Unterstützung zurückgreifen werde. Dies betrifft auch die Überarbeitung der Datenaustauschverträge zwischen der FN und Zuchtverbänden sowie zwischen dem Weltreiterverband (FEI), der Weltzuchtorganisation (WBFSH) und den Zuchtverbänden. Generell dürfen sich die Züchter darüber freuen, dass die Chance darauf, dass die internationalen FEI-Ergebnisse Einzug in die FN-Erfolgsdaten erhalten, weiter gestiegen sind. „Die Weichen dafür sind gestellt. Deutschland ist neben Belgien das erste Land, das an einem entsprechenden Pilotprogramm teilnehmen soll“, berichtete Dr. Klaus Miesner, Geschäftsführer des FN-Bereichs Zucht.

Terminübersicht 2018/2019
Im Rahmen des Beirats Zucht wurden auch die aktuellen Termine für 2018 und 2019 vorgestellt:

8.-10. Juni Bundesjungzüchterwettbewerb in Graditz
30. Juni Süddeutsches Championat des Freizeitpferdes/-ponys in München-Riem
2.- 5. August WM Junge Dressurpferde in Ermelo
17.-19. August Fahrpony-Championat, Bundeschampionat Schweres Warmblut in Moritzburg
23.-25. August Europachampionat Haflinger in Stadl Paura/AUT
25. August Bundesweites Championat des Freizeitpferdes/-ponys in Verden
29. August 
– 02.September Bundeschampionate in Warendorf 
16. September FN-Bundesstutenschau Sportponys in Magdeburg

Vom 18. bis 20. Januar findet außerdem in Berlin die 5. FN-Bundeshengstschau Sportponys statt. Ferner stehen fürs kommende Jahr die FN-Bundeshengstschau Robustponys, die FN-Bundesstutenschau Robustponys in Münster, die FN-Bundesstutenschau Fjordpferde sowie die FN-Bundeshengstschau Haflinger/Edelbluthaflinger auf dem Programm.

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