Siegen, ohne große Worte zu verlieren – die Brüder Bertram und Harry Allen

Siegen, ohne große Worte zu verlieren – die Brüder Bertram und Harry Allen

Die Brüder Bertram und Harry Allen sind keine Freunde großer Worte. Wenn der 16 jährige „kleine Bruder“ sich nicht so richtig sicher ist, was er auf eine Frage antworten soll, dann springt der 22jährige große Bruder hilfreich ein. Beide sind ein eingespieltes Team, das mit wenig Kommunikation auskommt. Beide reiten für ihr Alter in einer ganz eigenen Liga, doch darüber wird kein großes Aufsehen gemacht im Hause Allen. Das schätzt der amtierende Europameister der Springreiter, Bertram, in jeder Hinsicht. 

Mit dem neuen Coach und Manager des irischen Teams, dem Olympiasieger der Springreiter von 2004, Rodrigo Pessoa, funktioniere dies auch gut. „Ich rede nicht zu viel mit ihm. Er macht seinen Job gut, wir Reiter machen unseren Job, dann klappt das“, meint Bertram. Das war wohl auch zuhause das Motto, mit drei Schwestern und drei Brüdern im irischen Wexford. Der Sohn eines Immobilienhändlers, der schon früh erkennen ließ, dass ein ganz großer Reiter in diesem zierlichen Jockeykörper steckt, zog bereits mit 16 Jahren nach Hünxe am Niederrhein. Damals war er gerade Europameister im Ponysattel geworden. Auf einer eigenen Anlage reifte er zum internationalen Spitzenreiter, unterstützt von Personal auf dem Hof und unter fachlicher Anleitung von Mannschafts-Olympiasieger Marcus Ehning. 

Diesen Weg schlug im vergangenen Jahr auch Harry ein, auch er kam als Europameister der Ponyreiter nach seinem Sieg im ungarischen Kapsovar nach Deutschland. Dort ritt er in fünf Runden fehlerfrei, hatte am Schluss nur einen einzigen Zeitfehler auf seinem Konto. Heimweh nach Mama und Papa kennen die beiden nicht. „Mum kommt zu den Shows und Dad ist auch oft bei uns“, spricht Bertram für sich und Harry. Außerdem arbeitet auch eine Schwester in Deutschland auf dem Hof mit.

Harry ist vor einem Jahr aus dem Ponysattel gestiegen. Sein bestes Pony , die Schimmelstute Cassandra van het Roelhof, leistet jetzt als Lehrmeisterin für Ludger Beerbaums Töchter super Dienste. „Die Ponies können gehen, bis sie 20 Jahre alt und älter sind“, schwärmen beide früheren Ponymeister.

Am liebsten gehen sie zusammen zu den Turnieren. Harry hat fünf bis sechs Pferde unter dem Sattel. Mit vieren davon besucht er internationale Turniere, zwei jüngere Pferde sind für nationale Einsätze gedacht. „Wir versuchen natürlich, an den Wochenenden bei den gleichen Turnieren zu starten“, erklärt Bertram, der als größerer Bruder das Sagen hat und den kleinen so gut wie möglich unterstützt. „Wenn Bertram auf den 5-Sterne-Turnieren ist, dann schaffe ich das auch allein,“ sagt Harry ganz selbstbewusst. Bertram hat 15 Pferde im Stall, die beiden Brüder reiten täglich ihre Sportpartner, unterstützt werden sie von einer Bereiterin. Zuhause in Irland reifen die jungen fünf- und sechsjährigen Pferde heran und werden für die beiden Brüder ausgebildet.

Auch die Pläne für 2018 stehen schon: In drei Wochen ist Harry bei den Europameisterschaften der Junioren im französischen Fontainebleau am Start. Dort gehören die Iren zum Favoritenkreis. Bertram hingegen weiß noch nicht wirklich, wohin sein Weg führen wird. Zwar wird er an Nationenpreisen für Irland teilnehmen, doch die Weltreiterspiele im September hat er nicht im Blick. „Man möchte dort mit einem Pferd starten, das auch wirklich Chancen hat“, sagt der Profi. Das sei bei ihm derzeit nicht der Fall. Lieber konzentriere er sich daher auf die restlichen Etappen der Global Champions Tour und den Teamwettbewerb der Global Champions League. Harry hingegen will nach der EM nationale Zweisterne-Prüfungen reiten. „Es ist schön, wenn wir wie hier in Riesenbeck unter den besten Bedingungen zusammen bei Turnieren sein können“, spricht Bertram wieder für sich und seinen Bruder. 

Der nickt nur mit dem Kopf, zeigt dann aber im Parcours, was er am besten kann. Bis Samstagnachmittag hatte er die Nase vorn: Harry hatte einen Sieg und einen zweiten Platz auf seinem Konto, der große Bruder war einmal zweiter. Beide wissen aber auch ohne große Absprachen: Abgerechnet wird am Sonntag nach dem Großen Preis! 

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