DHL-Preis mit Gefühlsachterbahn für Krajewski und Teamsieg für Neuseeland

DHL-Preis mit Gefühlsachterbahn für Krajewski und Teamsieg für Neuseeland

Nach den ersten beiden Teilprüfungen des DHL-Preises, des Aachener Vielseitigkeitsnationenpreises, sah alles noch nach einem Erfolg auf ganzer Linie für Deutschland aus. Doch das heutige Gelände brachte einige Überraschungen mit sich – vor allem für Julia Krajewski. 

Vor dem Gelände lag Julia Krajewski mit ihren beiden Pferden an der Spitze der Einzelwertung und das Team in Führung im Nationenpreis. Als erstes musste die deutsche Nachwuchs-Bundestrainerin mit ihrem Mannschaftspferd auf die Strecke, Vier-Sterne-Sieger Samourai du Thot, zu dem Zeitpunkt noch Zweiter der Einzelwertung. Die ersten Sprünge der Geländestrecke klappten problemlos. Doch an Hindernis Nummer 16, dem SAP-Komplex, war die Reise zu Ende. Sam verweigerte – nicht einmal, nicht zweimal, sondern dreimal am ersten Sprung der Kombination. „Ich weiß nicht, was passiert ist“, so die ratlose Krajewski. „Er ist sehr intelligent und denkt sehr selbstständig. Man muss ihn einhundertprozentig auf seiner Seite haben.“ Ob er das heute nicht war? „Ich bin mit einem sehr guten Gefühl losgeritten. Aber unterwegs haben wir uns irgendwie verloren. Das werden wir jetzt analysieren.“

Für die deutsche Mannschaft war Sams Ausfall schon ein herber Schlag. Und wie Julia Krajewski später sagte: „Dann kam zum Pech auch noch Unglück hinzu.“ Denn Kai Rüders Colani Sunrise weigerte sich ganze 40 Sekunden lang, die Startbox zu verlassen, die beiden Vorjahressieger Ingrid Klimke und SAP Hale Bob OLD hatten ebenfalls einen Vorbeiläufer an am ersten Element von Hindernis 16 und bei Andreas Dibowski und Corrida hatten gestern im Springen einen rabenschwarzen Tag erwischt. So endete die Mannschaft auf Rang fünf.

Die Nationenpreiswertung ging an das Team Neuseeland mit Tim Price auf Cekatinka, die zugleich Dritte der Einzelwertung waren, Clarke Johnstone auf Balmoral Sensation, Sir Mark Todd und Kiltubrid Rhapsody sowie Blyth Tait im Sattel von Havanna vor den Mannschaften aus Frankreich und Schweden.

Der zweifache Einzelolympiasieger Mark Todd fasste seinen Eindruck vom Gelände nach seinem Ritt zusammen: „Es ist ein schwieriger Kurs, um schnell zu gehen. Möglicherweise gibt es ein oder zwei Reiter, die innerhalb der erlaubten Zeit bleiben. Es ist ein technischer Kurs mit schwierigen Hindernisfolgen. Er ist kurvenreich und es geht viel bergauf und bergab. Aber die Trasse ist absolut perfekt. Auf dem Untergrund springen die Pferde gerne. Ein großes Kompliment an die Organisation!“ 

Einzelwertung

Mark Todds Einschätzung bezüglich der Ritte innerhalb der erlaubten Zeit sollte sich als goldrichtig erweisen. Tatsächlich gelang es nur einem Reiter, ohne Zeitstrafpunkte aus dem Cross zu kommen: dem Australier Christopher Burton auf der Oldenburger Stute Quality Purdey. Nach Dressur und Springen lagen die beiden noch an fünfter Stelle. Doch dank ihrer fehlerfreien Geländerunde arbeiteten sie sich noch auf Rang zwei vor. Burton: „Mein Pferd hat einen super Job gemacht! Ich liebe sie einfach!“ Auch er bestätigte, dass Hindernis 16 a die schwierigste Aufgabe heute war. „Aber Hut ab vor Rüdiger Schwarz! Er ist ein sehr guter Aufbauer.“

Der Grund, warum Julia Krajewskis Tag heute neben viel Frust auch viel Freude bereithielt, heißt Chipmunk und ist ein zehnjähriger Hannoveraner. Bei vier Starts in 2018 hat der Wallach nun drei Siege (alle auf Drei-Sterne-Niveau) sowie einen zweiten Platz auf dem Konto. Den dritten Sieg bescherte er seiner Reiterin heute. Für sie war es die erste Herausforderung, die Enttäuschung mit Samourai du Thot erst einmal beiseite zu schieben und sich auf den nächsten Start zu konzentrieren. „Ich weiß, die beiden sind total verschieden und nur weil es mit dem einen nicht geklappt hat, heißt das ja nicht, dass es mit dem anderen auch nicht geht“, beschreibt sie ihre Gedanken vor dem Start mit Chipmunk. Was Chipmunk auszeichnet? „Er will einfach immer alles richtig machen. Er ist ein sehr ehrliches Pferd. Er hat so eine Einstellung als wollte er sagen, ,Los, lass es und einfach machen, alles ist gut!‘“ Aber Krajewski war vor dem Start auch klar, das Chipmunk noch nie einen technisch so anspruchsvollen Kurs gesprungen ist. Doch „Chip“ hat einmal mehr bewiesen, dass auf ihn Verlass ist. Und als er nach einer problemlosen Runde die letzten Hindernisse im großen Stadion ansteuerte, wurden er und seine Reiterin von 25.000 Menschen begeistert empfangen. Da können einem schon mal die Tränen kommen. Erst recht, wenn man ein solches Gefühlsauf- und -ab hinter sich hat. „Die Ehrenrunde habe ich definitiv erst einmal gebraucht, um ich zu sammeln“, so Krajewski. „Das ist das Größte, hier ins Stadion zu galoppieren, von den Leuten getragen zu werden und zu spüren, dass er wirklich alles für mich machen würde … “

Chipmunk war nicht ganz innerhalb der erlaubten Zeit geblieben. Aber nach einer super Dressur, hatte das Paar einen so großen Vorsprung in der Gesamtwertung, dass ihnen der Sieg mit 26,10 Minuspunkten sicher war. Chris Burton und Quality Purdey beendeten die Prüfung mit ihrem Dressurergebnis von 26,70 Minuspunkten. Tim Price und Cekatinka wurden mit 30,30 Minuspunkten Dritte.

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