EM Kaposvár: Traumbilanz für U18-Voltigierer

EM Kaposvár: Traumbilanz für U18-Voltigierer

Kaposvár (fn-press). Der Finaltag bei den Junioren-Europameisterschaften im ungarischen Kaposvár brachte den Schützlingen von Bundestrainerin Ulla Ramge (Warendorf) und Disziplintrainer Kai Vorberg (Sassenberg) einen bislang einmaligen Medaillenregen. Die schwarz-rot-goldenen Athleten durchbrachen am Kapos alle Rekorde der Disziplin und sicherten sich erstmals in der Geschichte der U18-Titelkämpfe alle Goldmedaillen. Nach dem Sieg für Ronja Kähler und Julian Kögl (Landesverband Berlin-Brandenburg) im Pas-de-Deux folgte Gold für das Team Nordheim (Baden-Württemberg) in der Mannschafts-(Königs-)Disziplin. Am Nachmittag eroberten Gregor Klehe (Ingelsberg) und Fabienne Nitkowski (Hamminkeln) das oberste Podest. Hinzu kamen drei Silber-Medaillen.

Die erste Goldmedaille des Tages war ein echter Balanceakt. Mit einem Vorsprung von fast neun Zehntel Punkten waren Ronja Kähler und Julian Kögl ins Finale des Doppelvoltigierens gestartet. Ute Kögl, Landestrainerin von Berlin-Brandenburg, hatte jedoch bereits am Morgen angekündigt, dass der finale Auftritt in der Pannon Equestrian Academy kein Selbstläufer wird. „Das müssen wir erstmal duchbringen“, so die Mutter von Julian Kögl. Und tatsächlich wurde es noch einmal unglaublich spannend. Auf einer Seite des Zirkels störte sich nämlich Daytona und verkleinerte stets deutlich seine Kreisbahn. „Ich habe von Beginn an gemerkt, dass ich ihn heute nicht so richtig bei mir hatte“, analysierte Longenführer Lars Hansen im Anschluss. Doch der erfahrene 42-Jährige schaffte es schließlich, den 10-jährigen KWPN-Wallach während der anderthalb-minütigen Kür in einem „turnbaren“ Modus zu halten. Zur Ergebnisverkündung in der Kiss-and-Cry-Area hatte Hansen schließlich Tränen in den Augen, als das Ergebis von 8,271 Punkten und somit eine Gesamtnote von 8,464 Zählern für Kähler und Kögl aufblinkte. Damit war die Goldmedaille für die 15-Jährige von der VRG Schäferhof und den 17-Jährigen vom Reitclub Grunewald, die bereits im Vorjahr Silber bei der WM in Ebreichsdorf holten, perfekt.
Auch die Silbermedaille ging an die Vertreter des Bundesadlers und ebenfalls an den Landesverband Berlin-Brandenburg. Diana Harwardt und Peter Künne vom Reitverein Integration aus Bernau (bei Berlin) zeigten heute mit ihrem Pferd Sir Laulau und Longenführer Hendrik Falk die beste Kür (8,367) und kamen im Gesamtranking auf 8,079 Punkte. Damit verwiesen sie die Schweizerinnen Anja Schneider und Louisa Ryf mit deutlichem Abstand auf den Bronzerang (7,771).

Eine erneute Machtdemonstration wurde die Finalkür des RV Nordheim. Die amtierenden Weltmeister vom Landesverband Baden-Württemberg erhielten für ihre „Spice-Girls“-Kür auf dem Rücken des elfjährigen Oldenburgers Humphrey Bogart – longiert von Trainerin Andrea Blatz – 8,518 Punkte. Die Österreicher vom Club 43 (8,356) und des Team Harlekin aus der Schweiz (8,318) waren zwar heute mit lediglich zwei Zehntel Abstand dicht hinter den Nordheimern. Im Gesamtergebnis jedoch unterstrichen die Deutschen mit 8,135 Punkten ihre Dominanz im Vergleich zu Österreich (7,782) und der Schweiz (7,653). Die weiteren Plätze gingen an Großbritannien (7,191), Italien (7,071) und Tschechien (6,892)

Den zweiten schwarz-rot-goldenen Doppelsieg feierte das deutsche Team schließlich bei den Herren. In der abschließenden Kür konnte Gregor Klehe noch einmal überzeugen. Der 17-jährige amtierende Vize-Weltmeister holte mit 8,53 Punkten seinen dritten (von vier) Tagessiegen. Damit war dem Ingelsberger der Gesamtsieg nicht mehr zu nehmen. Gemeinsam mit seinem Pferd Adlon und Longenführer und Voltigiermeister Alexander Hartl erklomm der Bayer das oberste Podest – und nahm seinen Kumpel Jannik Liersch gleich mit. Der 16-Jährige, der ebenfalls mit dem 23-jährigen Deutschen Sportpferd Adlon im Zirkel von Kaposvár eingelaufen war, holte sich Platz zwei in der Kür (8,394) und kam im Gesamtklassement auf 8,022 Punkte. Damit verwiesen die Süddeutschen den Franzosen Theo Gardies auf Rang drei (7,994). Einen derben Rückschlag gab es für Philipp Stippel. Der Westfale vom Pferdesportverein Haus Getter verbuchte in seiner Kür mit Sir Valentin – longiert von Dr. Dina Menke – einen Sturz. Damit rutschte der WM-Bronzemedaillengewinner aus dem Vorjahr deutlich ab und beendete die kontinentalen Titelkämpfe auf Platz acht (7,366).

Für den abschließenden Glanzpunkt des Wettkampftages sorgte Fabienne Nitkowski. Die 17-jährige Championats-Debütantin lief als Führende in die letzte Runde der U18-Damen ein und zeigte die mit Abstand beste Kür der Konkurrenz. Auf dem 12-jährigen tschechischen Warmblut Dantez – longiert von ihrer Trainerin Iris Schulten – reihte Nitkowski souverän eine Höchstschwierigkeit an die andere und kassierte dafür verdient die Bestwertung von 8,534 Punkten. Damit verbuchte das Gespann aus dem Rheinland 8,234 Punkte in der Endabrechnung und hielt den ersten Platz, den es sich bereits in den drei vorherigen Umläufen erarbeitet hatte.
Auch Platz zwei ging nach Deutschland. Alina Roß aus Userin (Mecklenburg-Vorpommern), die zum Auftakt der U18-EM die erste Pflicht gewonnen hatte, kam mit ihrer heutigen Kür auf San Zero (Longe: Marion Schulze) auf 8,393 Punkte (gesamt 8,149) und beendete ihr erstes Championat mit der Silbermedaille. Damit verwiesen die beiden EM-Neulinge die amtierende Weltmeisterin Nicole Brabec aus Wien mit deutlichem Abstand auf den Bronzerang (7,849). Pech hatte Mara Xander. Die Junioren-Europameisterin von 2016 kam heute mit ihrem Pferd Lukas nicht in die gewohnte Harmonie und fiel nach einem Sturz auf Rang 15 zurück. Die 17-jährige Nordheimerin hatte die EM zunächst in der ersten Pflicht auf Platz zwei begonnen. Trost bekam sie von ihren Teamkameradinnen, mit denen sie zuvor im Teamwettbewerb Gold geholt hatte.

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