111. Dobrock-Turnier 2018 Reitsport auf höchstem Niveau

111. Dobrock-Turnier 2018 Reitsport auf höchstem Niveau

Vier Turniertage mit vielen Höhepunkten und einem prall gefüllten Zeitplan sind in der Wingst zu Ende gegangen. Die erhöhte Wertigkeit des 12. Deister-Springpferde-Championats hat seine ersten Auswirkungen auf das Dobrock-Turnier gezeigt. Die hohe Anzahl von Nachnennungen hat zu besonders großen Starterfeldern in fast allen Springprüfungen geführt.

„Es gibt kaum ein Reitturnier in Deutschland, wo es so zahlreiche und unterschiedliche Startmöglichkeiten für unsere Pferde gibt“, beschreibt der Sieger im Großen Preis 2018 Philip Rüping die Wertigkeit des Dobrock-Turniers nicht nur im Terminkalender des Turnierstalls von Paul Schockmöhle. „Wenn sich die hohen Gewinnsummen im Deister-Championat erst einmal richtig in der Pferdeszene herum gesprochen haben, dann wird wohl im nächsten Jahr nicht nur Marco Kutscher aufmerksam werden und anreisen“, ist sich 34-jährige Springreiter aus Mühlen sicher.

Aus Veranstaltersicht bleibt zu hoffen, dass Philip Rüping Recht behalten wird. Überzeugend waren seine Auftritte während der Turniertage in der Wingst allemal. Zunächst holte er sich am Samstag den begehrten Champion-Titel bei den sechsjährigen Springpferden im Deister-Championat. Den Oldenburger Wallach Elninou v. Eldorado van der Zeshoek steuerte er zum Titelgewinn. Am Sonntag folgte dann das Kunststück, gleich mit zwei Pferden in das Stechen des Großen Preises des Landkreises Cuxhaven und der Weser Elbe Sparkasse Bremerhaven einzuziehen. Nur noch fünf weiteren Reitern gelang es im Normalparcours ohne Fehler zu bleiben.

Im einem flüssig aufgebauten, trotzdem aber sehr anspruchsvollen Springparcours mit Hindernissen bis zu einer Höhe von 1,55 Meter waren 44 Reiter/Pferdepaare an den Start gegangen. Darunter der Titelverteidiger Patrick Stühlmeyer, die Deutsche Vizemeisterin Inga Czwalina, die WM-Teilnehmerin Alexa Stais aus Südafrika und  die Derbysieger Nisse Lüneburg und Christian Glienewinkel. Sicher hatten so renommierte Reiter wie Rolf Moormann, Landesmeister Steffen Engfer und Hilmar Meyer und die Amazonen Stephi de Boer und Mylen Kruse durchaus Chancen auf den Titelgewinn ausgerechnet. Schnell zeigte sich aber, wer in diesem schweren Springparcours bestehen will, muss seine absolute Bestleistung abrufen.

Zum Publikumsliebling avancierte der Lokalmatador Harm Wiebusch. In der mit 15.000 Euro dotierten S***-Springprüfung hielt der Fredenbecker die Spannung bis zum letzten Ritt des Tages aufrecht. Erst mit seinem letzten Ritt des Tages fiel die Entscheidung. In einem hochklassigen Stechen wäre der 32-jährige Springreiter als Sieger vom Platz gegangen, ja wäre ihm da nicht der eine Flüchtigkeitsfehler unterlaufen. Philip Rüping blieb als einziger Reiter im Stechparcours mit dem Oldenburger Chanyon ohne Fehler und gewann damit zum zweiten Mal nach 2006 den Großen Preis auf dem Dobrock.

„Ich habe alles versucht“, war Harm Wiebusch mit sich und der Leistung seines Westfalen Clouseau total zufrieden. Als Zeitschnellster belegte er Paltz zwei.Trotzdem hätte er sicher den Kampf „David gegen Goliath“ gerne gewonnen. Denn ähnlich lief es im Deister-Championat der fünfjährigen Springpferde. Hier präsentierte der Bereiter Julian Goldmeier für den Stall Wiebusch den Hannoveraner Hengst Crossover v. Cascadello. Trotz seiner imponierenden Vorstellung blieb ebenfalls „nur“ Platz zwei. Am Ende siegte der Stall Schockemöhle. Champion wurde der Oldenburger Wallach Melaro v. Messenger unter Patrick Stühlmeyer.

Als einzige Reiterin gelang es der 23-jährigen Julia Müller-Rulfs aus Ritterhude in die Phalanx des Mühlener Reitstalls einzubrechen. Mit ihrem selbstgezogenen Hengst Mangoon besiegte sie die gesamte hochkarätige Konkurrenz bei den vierjährigen Springpferden. „Mangoon ist ein unglaubliches Pferd. Er ist total rittig, lernt schnell und besitzt ein angeborenes Distanzgefühl vor den Hindernissen“, schwärmte die junge Reiterin von ihrem Champion.

In den höchst dotierten Dressurprüfungen bekam Svenja Peper-Oestmann in diesem Jahr ordentlich Konkurrenz. Die Starterfelder waren in der Dressur allerdings bei weitem nicht so groß wie in den Springprüfungen. Trotzdem war die Qualität sehr hoch. Am Samstag konnte die Harsefelderin den Grand Prix de Dressage mit Disneyworld noch für sich entscheiden. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Juliane Burfeind (Harsefeld) mit Devanto und Elisa Prigge (Echem-Scharnebeck) mit Dark Dancer.

Am Sonntag zeigte sich Elisa Prigge mit ihrem elfjährigen Hannoveraner deutlich verbessert und gewann den Grand Prix Special. „Dark Dancer ist zur Zeit in bestechender Form“, freute sich die 27-jährige Dressurreiterin aus dem Alten Land bei Hamburg. Auch Anke Dieckell konnte sich noch einmal steigern und belegte mit dem zwölfjährigen Oldenburger Donaldson den zweiten Platz. „Ein perfektes Wochenende hier auf dem Dobrock für mich“, war die Reiterin aus Elmlohe sehr zufrieden mit der Leistung ihres Dressurpferdes. Platz drei mussten sich Svenja Peper-Oestmann und Disneyworld mit Stella Charlott Roth (Osnabrück) und ihrem Oldenburger Rubin Action teilen.

Dies waren die wichtigsten Entscheidungen im Spitzensport. Der breiten Palette von weit über 50 Prüfungen kann man an dieser Stelle nicht gerecht werden. Einige wichtige Ergebnisse gerade der Reitsportler aus dem Unterelbeschen Renn-, Reit- und Fahrverein betreffend, seien an dieser Stelle beispielhaft erwähnt. Das Abteilungsreiten gewann die Mannschaft vom Reitverein Bülkau vor den beiden Teams vom Hadler Reitclub. Auch im Mannschaftsspringen der Reitvereine hatte das Team vom Hadler RC die Nase vorn. Dahinter folgten die Mannschaften Bülkau I und Börde Lamstedt II.

„Diese hohe Anzahl von Nachmeldungen bis kurz vor Turnierbeginn haben wir in dieser Form noch nicht erlebt“, beschrieb der Geschäftsführer des Unterelbeschen Renn-, Reit- und Fahrvereins das ungebrochen große Interesse, der regionalen aber auch der deutschen und internationalen Reiter beim 111. Dobrock-Turnier an den Start gehen zu wollen. Das erfahrene Organisationsteam um Dr. Martin Lübbeke reagierte professionell und reiterfreundlich, machte (fast) alle Sonderwünsche möglich. So griff auch noch der Europameister Marco Kutscher kurzfristig ins Turniergeschehen ein.

Im prall gefüllten Zeitplan kam es trotz der großen Starterfelder kaum zu Verzögerungen. Durch das hohe Niveau von Reitern und Pferden entwickelten sich heiß umkämpfte Wettbewerbe aller Leistungsklassen. Immerhin standen zehn Entscheidungen in schweren Springprüfungen und sechs auf höchstem Niveau im Dressurviereck auf dem Programm. Dazu zeigten die besten Nachwuchspferde aus allen Zuchtgebieten im Deister-Springpferde-Championat, dass das Niveau der aktuellen Jahrgänge besonders hoch ist.

Knapp 20.000 Zuschauer wurden über die vier Turniertage gezählt. Sportlicher Höhepunkt ist und bleibt der Große Preis am Sonntagnachmittag.

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