25. Bundeschampionate in Warendorf: Wie alles anfing

25. Bundeschampionate in Warendorf: Wie alles anfing

Warendorf (fn-press). Eine Nacht hatte sich Reinhard Wendt um die Ohren geschlagen – dann war der Organisationsplan für das erste Bundeschampionat in Warendorf fertig. Das Konzept des ehemaligen Geschäftsführers des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) und ersten Turnierleiters ist noch heute das Gerüst der größten Zuchtveranstaltung Deutschlands. Wie alles begann, erzählt er im Interview.

FN-pressDas Bundesleistungszentrum bzw. das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei waren zwar mit dem Preis der Besten oder dem Nachwuchschampionat Vielseitigkeit schon etwas veranstaltungserprobt, aber diese eher kleinen Turniere waren ja überhaupt nicht zu vergleichen mit so einem Mammut-Projekt wie den Bundeschampionaten. Wie kam es dazu, dass Warendorf seinen Hut in den Ring warf?
Reinhard Wendt: „Die Bundeschampionate hatten mehrere Ausrichter, zuletzt häufig Mannheim, Verden und München im Wechsel. Für 1994 hatte sich Rastede ins Gespräch gebracht, die anderen Veranstalter hatten sich nicht beworben. Aber die Vorbereitungen und Verhandlungen mit Rastede waren schwierig, die Finanzierung war nicht geklärt, so dass wir uns im Winter 1993/94 Sorgen zu machen begannen, ob wir überhaupt einen Veranstalter finden werden oder die Bundeschampionate auseinanderfliegen. Dann habe ich mich hingesetzt und eine ganze Nacht hindurch einen Organisationsplan geschrieben, wie die Championate in Warendorf gelingen könnten. Ich habe das erst mal nur für mich skizziert, aber ich stellte fest, ja, das kann klappen. Dieses Grundgerüst gilt im Grunde bis heute.“

FN-pressWie haben denn die Zuchtverbände auf Ihre Idee reagiert?
Reinhard Wendt:  „Wir haben das natürlich breit in den zuständigen Gremien diskutiert. Die Resonanz war sehr zwiespältig. Einige sagten, es sei nicht Aufgabe der FN, eine solche Veranstaltung auszurichten, wahrscheinlich hatten viele uns das gar nicht zugetraut. Aber es gab genauso Stimmen, die sagten, ehe wir keine Bundeschampionate haben, versuchen wir es in und mit Warendorf.“

FN-press: Wurde die Idee in Warendorf und Umgebung positiv aufgenommen?
Reinhard Wendt: „Zunächst mussten wir natürlich Gespräche mit dem Kreisreiterverband und den örtlichen Turnierveranstaltern führen. Wir haben von Anfang an zugesichert, dass wir für die Bundeschampionate keine regionalen Sponsoren der lokalen Turniere ansprechen würden, um diese finanziell nicht zu schwächen. Im Großen und Ganzen waren die allermeisten von der Idee begeistert. Wir hatten auf Anhieb mehrere hundert ehrenamtliche Helfer aus den Vereinen des Kreisreiterbandes zusammen. Sie alle wollten bei der Premiere dabei sein. Auch bei der Stadt Warendorf stieß das Projekt auf Zustimmung und breite Unterstützung.“

FN-pressEinige Prüfungsplätze gab es auf dem BLZ-Gelände. Aber die Infrastruktur… Was waren die größten logistischen Herausforderungen?
Reinhard Wendt: „Es war fast nichts vorhanden, keine Wasserleitungen, kein Strom, kein Stallbereich, alles musste improvisiert werden. Zwar waren die Bundeschampionate etwas kleiner als heute, aber rund 800 Pferde gingen auch vor 25 Jahren schon an den Start. Das Gelände für den Stallbereich hinter dem Springplatz mussten wir erst von einem Landwirt pachten und entsprechende Zuwegungen auch für große Pferdetransporter und die LKW der Aussteller anlegen. Dort war ja nur Feld und Wald. An diesen logistischen Dingen habe ich mir am meisten die Zähne ausgebissen.“

FN-pressEin Ausstellungsbereich, Gastronomie, Vermarktung – sie brauchten Partner. Wer hat Ihnen geholfen?
Reinhard Wendt: „Wir sind schnell mit Escon Marketing zusammengekommen. Wir kannten Dr. Kaspar Funke gut und wussten, dass er das kann. Das hat auch viele Jahre sehr gut geklappt. Aber wir hatten eine sehr klare Aufgabenteilung, Dr. Funke kümmerte sich nur um die Vermarktung, alle sportlichen Fragen liefen über unsere Schreibtische.“

FN-pressUnabhängig von der Vermarktung konnten Sie ja auch nicht alles alleine organisieren. Wie haben Sie Ihr Team organisatorisch aufgestellt?
Reinhard Wendt: „Zu diesem Zweck haben wir das Veranstaltungsbüro gegründet, das heute auch noch alle Veranstaltungen am BLZ und DOKR abwickelt. Es übernahm den Großteil der Vorbereitung. Vier Wochen vorher wurden die Bereichsleiter zuständig, d.h. jeder einzelne Bereich hatte einen Chef, der mit seiner Crew verantwortlich für den Ablauf war. Ich wollte damit erreichen, dass während der Turniertage nichts auf das Veranstaltungsbüro abgewälzt wird, erst recht nicht, wenn etwas schief läuft, sondern jeder für seinen Aufgabenbereich geradesteht.“

FN-press: Schief gelaufen ist nichts, im Gegenteil, die Bundeschampionate 1994 wurden regelrecht gefeiert. Wie haben Sie die Premiere erlebt?
Reinhard Wendt: „Ich war natürlich über alle Maßen erleichtert, dass alles reibungslos und glatt über die Bühne ging. Wir waren zwar gut vorbereitet, hatten unsere Hausaufgaben gemacht, aber man weiß es ja nie… Wir haben viel Lob bekommen, die Besucher waren begeistert und die Skeptiker erstaunt, was Warendorf in so kurzer Zeit, wir sprechen ja nur über gute sechs Monate Vorbereitungsphase, auf die Beine gestellt hat. Zwei, drei Jahre später standen wir vor der allergrößten Herausforderung: Es hatte Unmengen an Regen gegeben, das halbe Gelände drohte abzusaufen. Wir mussten Plätze verlegen und Oberflächenwasser wegschieben und abpumpen. Es war entsetzlich, aber dieses Regenturnier war die eigentliche Bewährungsprobe, die wir zu bestehen hatten.“

FN-pressSie waren sechs Jahre lang Chef der Bundeschampionate. Warum haben Sie aufgehört?
Reinhard Wendt:  „1999 war mein Letztes, im Jahr 2000 konnte ich nicht dabei sein, weil ich als Chef de Mission die Reiter nach Sydney zu den Olympischen Spielen begleitet habe. Die Pferde hatten längere Quarantänezeiten, ich war wochenlang in Australien, auch während der Bundeschampionate. Frank Reitemeier übernahm dann das Ruder. Das lief gut, es hätte keinen Sinn gemacht, wenn ich im darauffolgenden Jahr wieder Turnierleiter geworden wäre. Ich denke heute noch gerne an die ersten Bundeschampionate zurück, es war eine tolle Zeit.“

Das Gespräch führte Susanne Hennig für pm-forum 08/2018.

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