Corrado I lebt nicht mehr

Corrado I lebt nicht mehr

Elmshorn. Corrado I lebt nicht mehr. Im stattlichen Alter von 33 Jahren musste der Schimmelhengst aufgrund einer Kolik schweren Herzens in den Stallungen der Holsteiner Verband Hengsthaltungs GmbH in Elmshorn eingeschläfert werden. „Ein Pferd in diesem Alter noch zu operieren, wäre für uns unverantwortlich gewesen“, bedauert Geschäftsführer Norbert Boley diesen Schritt.

Corrado I v. Cor de la Bryère-Capitol I-Maestoso xx wurde am 21. Februar 1985 bei Eduard Struve in Satrup geboren. Sein Stamm 6879 war schon in den 50iger Jahren in aller Munde. So bekannte und erfolgreiche Pferde wie Baden, unter Hermann Evers Olympiateilnehmerin in Helsinki 1952, die von Rheder Thormählen, Kollmar, gerittene Baden-Baden und vor allem Original Holsatia, die unter Fritz Thiedemann eines der populärsten deutschen Springpferde seinerzeit war, gehörten ihm an. Jahrzehnte später waren es der Sieger im Deutschen Spring Derby Lausbub (Achaz von Buchwaldt) und der von Ludger Beerbaum gerittene Landlord, die im Parcours für Furore sorgten. Aquino setzte unter Franke Sloothaak nach der Jahrtausendwende die sportliche Erfolgsgeschichte des Stammes 6879 fort.

Bereits als junger Hengst sorgte Corrado I für Furore. Im Dezember 1988 erhielt er aufgrund seiner Abstammung und seines gewaltigen Springvermögens von den Herren der Körkommission „grünes Licht“ für den Deckeinsatz.

Bei seiner Hengstleistungsprüfung wusste Corrado I mit der Bestnote 10 im Freispringen und in der Springanlage zu überzeugen. Seine sportliche Karriere begann er unter Thieß Luther, später übernahm Bo Kristoffersen den Beritt des Hengstes. Der damals beim Holsteiner Verband angestellte Däne qualifizierte ihn für das Finale beim Bundeschampionat der sechsjährigen Springpferde. Ein Jahr später gab es für das Paar die ersten internationalen Erfolge. Als Corrado I achtjährig war, trat Franke Sloothaak in sein Leben. Das Paar gewann 1993 u. a.  den Großen Preis von Leeuwarden und gehörte beim CSIO La Baule zum zweitplatzierten deutschen Nationenpreisteam. 1994 gewann Corrado I die Weltcupqualifikation in Dortmund und den Nordrhein-Westfalen-Preis in Aachen. 1996 folgten Siege im Weltcupspringen von Aarhus und in den Großen Preisen von Neumünster und Kiel.  So war es nur verständlich, dass die Nachfrage der Züchter immer größer wurde. Die Verbandsleitung entschloss sich, Corrado I frisch und gesund aus dem Sport zu verabschieden und ihn in den Deckeinsatz zu schicken.

Sein gewaltiges Springvermögen vererbte Corrado I auch seinen Kindern. Er hat eine große Anzahl von Nachkommen, die international auf höchstem Niveau in Springprüfungen erfolgreich waren bzw. sind. Seine Tochter Corradina a. e. Sandro-Mutter (Züchter Professor Hartwig Schmidt, Borsfleth) prägte unter Carsten-Otto Nagel jahrelang die deutsche und internationale Springsportszene. Bei den Weltreiterspielen in Kentucky 2010 und den Europameisterschaften in Madrid 2011 gehörten Carsten-Otto Nagel und Corradina der deutschen Mannschaft an, die mit einer Goldmedaille in die Heimat zurückkehrte. Einzelsilber gab es für das populäre Holsteiner Paar bei den Europameisterschaften in Windsor 2009. Ein weiterer hoch erfolgreicher Corrado I-Nachkomme war der von dem Belgier Dirk Demeersman gerittene Hengst Clinton. Dieser wurde unter anderem bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 Vierter in der Einzelwertung und ein Jahr später Zweiter im Großen Preis von Aachen. Clinton war zudem ein sehr gefragter Deckhengst in Belgien und hat sich vor allem als Vater des hoch erfolgreichen Vererbers Cornet Obolensky einen Namen gemacht. 

 Weitere Erfolgspferde von Corrado I im Parcours waren u.a. Classic H (Helena Persson), Cher (Piet Raijmakers), Corrada (Peter Charles), Cosima (Markus Fuchs), Think Twice (Leopold van Asten) oder Cabrio (Toni bzw. Felix Hassmann).  Cattani nahm unter dem Spanier Manuel Saro Fernandez an den Europameisterschaften 2005 in San Patrignano teil. Dann wechselte er in den Besitz von Geir Gulliksen, der mit ihm zur norwegischen Olympiamannschaft 2008 gehörte.  Mehr als 250 Corrado I-Nachkommen waren in schweren Springen erfolgreich. Sie haben mehr als vier Millionen Euro verdient.

35 von Corrado I abstammende Hengste sind gekört worden, für die Holsteiner Zucht sind 16 zugelassen. Corrado I-Söhne wie z. B. Corofino I, Coriano, Coronado, Clinton und Crawford und 172 zur Zeit in der Zucht befindliche Corrado I-Töchter sorgen im Land zwischen den Meeren für den weiteren Erhalt der Corrado I-Gene in den nächsten Generationen. „Es hat sich gelohnt, die Steine aus dem Weg zu räumen, die am Anfang seiner Karriere im Weg lagen“, sagte Norbert Boley nach dem Tod von Corrado I. „Er hat für Holstein sehr viel Positives erreicht – im Sport und in der Zucht. Ohne ihn gäbe es keine Corradina, keinen Clinton und keinen Cornet Obolensky“. 

Seine letzten Lebensjahre hat Corrado im Elmshorner Hengststall verbracht, wo er von Christine Broda umhegt und gepflegt wurde. 

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